Freitag, 25. Juni 2010

„Kannst du kochen?“ oder The dark side – Leben und Lieben auf Taiwan (2)

Alles so niedlich hier...



...aber warum?



„Nee, also da hast du was falsch beobachtet. Bei meinen Kumpels putzen die Freundinnen das Zimmer ihres Freundes“, so einer meiner männlichen Tandempartner als ich ihm begeistert von dem Freund meiner Mitbewohnerin berichtete. Mit großen Augen schaute ich ihn an und sagte, dass das ja schon ganz schön hart chauvinistisch klinge, dafür, dass hier auf Taiwan sonst alles so niedlich erscheine. „Aber ist doch klar: hier ist alles so niedlich, gerade weil es so chauvinistisch ist. Japan, Korea, Taiwan, alles chauvinistisch!“, erklärte er mir mit ernster Miene. „Oh“, sagte ich erschreckt. Sollten Alice Schwarzers gerührte Freudentränen etwa umsonst vergossen worden sein? Tatsächlich habe ich festgestellt, dass viele taiwanische Frauen recht sarkastisch werden, sobald es auf taiwanische Männer zu sprechen kommt und wurde innigst davor gewarnt, mir hier am Ende noch einen Ehemann anzulachen. Wenn ich frage warum, bekomme ich immer recht vage Antworten.
Kannst du kochen? – das werde ich überraschend oft von den taiwanischen Herren gefragt und säusele mittlerweile freundlich noch nicht, um sie nicht völlig vor den Kopf zu stoßen. Dann erkläre ich lächelnd, dass es bisher einfach nicht nötig war, weil ich immer von deutschen Männern bekocht wurde und ernte einen irritierten Blick. Auch Peter scheint diese Frage sehr wichtig zu sein, er hat mich mittlerweile schon dreimal gefragt und treibt mich damit etwas in die Verzweiflung. Irgendwie finde ich die Frage machohaft. „Ja, erstmal tun wir alles für die Frau, aber wenn wir sie geheiratet haben, muss sie alles für den Ehemann machen“, meinte Peter daraufhin fett grinsend und hoffentlich mit einem Hauch von Ironie. Aussagen, die mir immer etwas die Sprache verschlagen, aber letztlich mit der traditionellen Grundauffassung des Konfuzianismus konform gehen, nach welcher in einer hierarchisch, patriarchalischen Gesellschaft der Untertan dem Herrscher, der Sohn dem Vater und die Frau dem Mann zu gehorchen hat. Im Gegensatz zum kommunistischen Festland China wurde den chinesischen Frauen auf Taiwan nicht „der halbe Himmel“ von Mao Zedong versprochen. Dafür sorgen Demokratie, Pressefreiheit sowie ein aufmerksamer Blick gen Westen für eine fortschreitende Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Politik und Wirtschaft. Auch meine Mitbewohnerin erklärte mir, dass sie keine Lust habe, nach der Hochzeit als billige Haushälterin zu enden, weswegen es wichtig sei, den Freund frühzeitig zu „erziehen“. Ich nickte zustimmend und dachte an die bisweilen etwas nervenstrapazierenden Diskussionen mit meinen ehemaligen männlichen Mitbewohnern über die Wichtigkeit einer fairen Arbeitsteilung und insbesondere Einhaltung diverser Haushaltspläne. Das Zusammenleben zwischen Mann und Frau wird hier letztlich ähnlich überdacht und diskutiert wie in Deutschland auch (ein Artikel hierzu: http://taiwanheute.nat.gov.tw/ct.asp?xItem=44108&CtNode=1663&mp=22). Dennoch fällt oft schon an der tendenziell niedlichen Sprechweise sowie dem sehr weiblichen Kleidungsstil vieler Taiwanerinnen auf, dass sie nicht die Töchter von Müttern sind, die einst heftig diskutierend ihre BHs verbrannt haben. Aber vielleicht muss das auch gar nicht sein. Vielleicht kann man diese Themen ja auch einfach mal ganz in Ruhe mit einem Lächeln auf den Lippen besprechen und auf die ausgleichende Macht des Yin und Yang hoffen. Oder endlich anfangen, kochen zu lernen? Nee, erstmal anständig fertig studieren!

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