Mittwoch, 11. August 2010

再见 (张震岳)

我怕我沒有機會
跟你說一聲再見
因為也許就再也見不到你
寧願我要離開
熟悉的地方的你
要分離
我眼淚就丟下去
我會牢牢記住你的臉
我會珍惜你給我的思念
這些日子在我心中
永遠都不會抹去
我不能答應你
我是否會再回來
不回頭
不回頭的走下去

http://www.youtube.com/watch?v=TbYzM1NywdU&feature=related

喜歡台灣的原因太多~~

我快要回歐洲了.那邊的朋友們跟家人有點擔心我不會回國.他們一定會問:妳在台灣過一年,妳為甚麼總是跟我們講,妳不想離開?妳為甚麼那麼喜歡台灣?
對阿,那我到底為甚麼那麼喜歡?可能是因為只在台灣走路的時候有臭豆腐的香味.可能是因為每天都可以聽到中文(對我來說,最好聽的語言)跟台語,到處看到漂亮的繁體字
.可能是因為有seven跟它的 歡迎光臨.可能是因為有很多可以吃的黑芝麻的東西.可能是因為總是有地方可以去而且甚麼都不遠:海邊,河邊,山,電影院,夜市,美術館,ktv~~因為台大的中文課很好,而且校園很漂亮,圖書館好涼,可能是因為甚麼都相當可愛,粉紅色的.可能是因棕櫚樹跟濕熱的天氣讓人輕鬆一下,下午的雨讓人醒起來,太陽帶走煩惱.
也可能是因為我從來沒有看到一個那麼彩色的天空,因為我喜歡台灣音樂.
最重要的原因還是這裡認識的人. 人, 誰有無盡的耐心教我怎麼演京劇而且人,誰至於願意聽我唱京劇,誰就在路上遇見我或者在屋頂跟我認識,然後給我介紹台灣,誰跟我一起吃飯,吃飯,吃飯,喝茶,聊天,聊天,聊天,聽音樂,去爬山,夜市,跳舞,看京劇,戲劇,電影,參觀藝術展覽,騎腳踏車,去算命,去高雄,桃園,台中,花蓮,墾丁跟綠島旅行,誰難過的時候給我安慰,愉快的時候跟我一起笑,教我騎摩托車,帶我去陽明山,淡水,海邊,書店,新店,核能電廠,臭豆腐天堂深坑,誰跟我一起經歷難忘記的瞬間,誰給我介紹他們的朋友們跟家人,誰給我一種在家的感覺.


Mittwoch, 4. August 2010

Zu viele Gründe, Taiwan zu mögen…



Stinkender Tofu deluxe!

Sonntag, 18. Juli 2010

Kleine Abenteuer auf der eigentlich sichersten Insel der Welt

Sonnenaufgang auf dem Alishan



Geduldige Wandergenossen mit Moni Möchtegern-Messner



Ausblick vom Yushan - auch auf nur 3400 Meter Höhe wunderschön



"Aufgepasst, gleich kommt die Sonne!"



Wasserfall bei Hualien



Landschaft um Hualien



Schnorchelparadies grüne Insel



Wanzi mit Seegraseis



Auch im Gefängnis auf der grünen Insel ist man herzlich willkommen (die roten Schriftzeichen stehen für 歡迎光臨 huanyingguanglin Herzlich Willkommen! Einen Spruch, den man bei jedem Betreten eines Geschäftes oder Supermarktes hört)



Reisekumpanen mit unserem Abendessen! Lecker Bambi, hehehe :)



Es ist nicht Sylt... Aber wer will schon nach Sylt, wenn er auf Taiwan ist?! ;)



Da raste ich den Berg hinunter. Und schneller und schneller und schneller und stellte plötzlich fest: Mist, die Bremsen von meinem Fahrrad funktionieren nicht!
Der Chinesischunterricht ist vorbei und so genieße ich die letzten Wochen hier auf Taiwan, neben Zulassungsarbeitschreiben, hauptsächlich mit Reisen, Freunde treffen und besuchen. Unter anderem verschlug es mich dabei zusammen mit Wanzi, einer taiwanischen Freundin, sowie Yuichi und Yutaro, meinen zwei japanischen Mitschülern, zunächst nach Hualien und dann auf die kleine grüne Insel im Süden Taiwans. Der normale grüne Insel-Besucher fährt Roller (egal ob mit oder ohne Führerschein), aber da wir uns das nicht zutrauten, entschieden wir uns für die Fitnessvariante Fahrrad. „Fahrradfahren ist hier gleich Selbstmord“, bemerkte Yutaro in Hinblick auf die Tatsache, dass die grüne Insel ehemals auch Feuer-Insel (火燒島) hieß, nicht zuletzt auch wegen dem feurig heißen Wetter. Und so brutzelten und bretterten wir als einzige Fahrradfahrer die Serpentinen entlang, während die Rollerfahrer lässig und entspannt an uns vorbeizogen, ich mein Schuhwerk als Bremsersatz bemühte und erfreuten uns an allem, was uns so begegnete. Unter anderem einige Rehe, die neben Seegras als Spezialität gelten auf der grünen Insel. Das ist überhaupt etwas sehr bemerkenswertes hier auf Taiwan: jede Gegend oder jedes noch so kleine Dorf hat seine ganz eigene, spezielle Essensspezialität, die immer mit viel Aufwand angepriesen wird. Neben Klebereiskuchen (Mochi), Rehen, Seegras, gibt es sogar ein Dorf, das sich vollkommen der Vermarktung von Erdbeeren verschrieben hat: Erdbeereis, -schnaps, -shampoo, -bodylotion, -brot etc. Während die lustigen Japaner also damit beschäftigt waren, sich mit sämtlichen Inselbewohnern per ausgedehnten Smalltalks bekannt zu machen, probierten Wanzi und ich uns durch das kulinarische Seegrassortiment (Seegraspfannkuchen, Seegraseis, Seegrasdumplings…). Abends brutzelten dann beim BBQ die süßen Rehe, die wir vormittags noch gestreichelt hatten, vor uns auf dem Grill. Beim Schnorcheln bewunderten wir Taiwans regenbogenfarbene Unterwasserwelt und genossen entspannt in den heißen Quellen sitzend den malerischen Sonnenaufgang. Es sind Momente wie diese, die mir Taiwan immer wieder wie ein kleines Paradies erscheinen lassen. Das Meer ist nie weit, aber auch als Bergsteiger kommt man hier voll auf seine Kosten. Obgleich mir bereits mein erster Ausflug in die Berge die körperlichen Grenzen meines neuen Hobbies aufgezeigt hatte, reizte mich die Herausforderung, den höchsten Berg Ostasiens zu besteigen. Der Jadeberg (Yushan) rief – und Moni Möchtegern-Messner kam :) Zusammen mit Peter, meinem Tandempartner, und vier Bonner Sinologen ging es zunächst auf den etwas tiefer gelegenen Alishan. Der dortige Sonnenuntergang war postkartenmäßig farbenprächtig und auch der Sonnenaufgang hätte sehr schön werden können, hätte nicht ein lustiges Männlein mit Megaphon und Ausrufen wie „Aufgepasst, gleich kommt die Sonne raus!“ die romantische Stimmung gestört. Am gleichen Tag ging es dann auf den Yushan, wo wir auf ca. 3400 Meter Höhe die Nacht auf einer Pritsche in einem Raum mit 48 anderen Wandern verbrachten. Olfaktorisch sowie akustisch nicht unbedingt einer meiner erholsamsten Nächte, zudem machte mir die Höhe zu schaffen und so lag ich um zwei Uhr morgens erbrechend und mit Kopfschmerzen danieder, als alle anderen aufbrachen, um Richtung Gipfel der Sonne entgegenzuwandern. Unfähig mich zu rühren, hatte ich nun viel Zeit mir zu überlegen, wie ich es auf der eigentlich wirklich sichersten Insel der Welt, auf der man sich tendenziell immer sehr aufmerksam umsorgt und gegenseitig bekümmert (zhaogu 照顧) und jedes Handeln von einem liebevollen „Pass auf dich auf!“ (xiao xin o小心喔!) begleitet wird, immer wieder schaffte, mich in Gefahr zu bringen, denn Höhenkrankheit ist keine lustige Angelegenheit. „Kein Wunder, dass es dir schlecht geht, du trägst ja auch keine Mütze!“, meinte einer der Ureinwohner zu mir, der auf der Lodge arbeitete. Zu kraftlos um nach dem genauen Kausalzusammenhang zwischen mützenlosem Haupt und Übelkeit zu fragen, zog ich kommentarlos meine Mütze auf – und siehe da, nach drei Stunden Schlaf und Mützentragen sah die Welt schon wieder ganz anders aus! So genoss ich den Ausblick von der Lodge und den anschließenden Abstieg und habe nun einen weiteren Grund, wieder nach Taiwan zurück zu kommen, denn seinen höchsten Berg habe ich noch nicht vollkommen erklommen!

Freitag, 25. Juni 2010

„Kannst du kochen?“ oder The dark side – Leben und Lieben auf Taiwan (2)

Alles so niedlich hier...



...aber warum?



„Nee, also da hast du was falsch beobachtet. Bei meinen Kumpels putzen die Freundinnen das Zimmer ihres Freundes“, so einer meiner männlichen Tandempartner als ich ihm begeistert von dem Freund meiner Mitbewohnerin berichtete. Mit großen Augen schaute ich ihn an und sagte, dass das ja schon ganz schön hart chauvinistisch klinge, dafür, dass hier auf Taiwan sonst alles so niedlich erscheine. „Aber ist doch klar: hier ist alles so niedlich, gerade weil es so chauvinistisch ist. Japan, Korea, Taiwan, alles chauvinistisch!“, erklärte er mir mit ernster Miene. „Oh“, sagte ich erschreckt. Sollten Alice Schwarzers gerührte Freudentränen etwa umsonst vergossen worden sein? Tatsächlich habe ich festgestellt, dass viele taiwanische Frauen recht sarkastisch werden, sobald es auf taiwanische Männer zu sprechen kommt und wurde innigst davor gewarnt, mir hier am Ende noch einen Ehemann anzulachen. Wenn ich frage warum, bekomme ich immer recht vage Antworten.
Kannst du kochen? – das werde ich überraschend oft von den taiwanischen Herren gefragt und säusele mittlerweile freundlich noch nicht, um sie nicht völlig vor den Kopf zu stoßen. Dann erkläre ich lächelnd, dass es bisher einfach nicht nötig war, weil ich immer von deutschen Männern bekocht wurde und ernte einen irritierten Blick. Auch Peter scheint diese Frage sehr wichtig zu sein, er hat mich mittlerweile schon dreimal gefragt und treibt mich damit etwas in die Verzweiflung. Irgendwie finde ich die Frage machohaft. „Ja, erstmal tun wir alles für die Frau, aber wenn wir sie geheiratet haben, muss sie alles für den Ehemann machen“, meinte Peter daraufhin fett grinsend und hoffentlich mit einem Hauch von Ironie. Aussagen, die mir immer etwas die Sprache verschlagen, aber letztlich mit der traditionellen Grundauffassung des Konfuzianismus konform gehen, nach welcher in einer hierarchisch, patriarchalischen Gesellschaft der Untertan dem Herrscher, der Sohn dem Vater und die Frau dem Mann zu gehorchen hat. Im Gegensatz zum kommunistischen Festland China wurde den chinesischen Frauen auf Taiwan nicht „der halbe Himmel“ von Mao Zedong versprochen. Dafür sorgen Demokratie, Pressefreiheit sowie ein aufmerksamer Blick gen Westen für eine fortschreitende Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Politik und Wirtschaft. Auch meine Mitbewohnerin erklärte mir, dass sie keine Lust habe, nach der Hochzeit als billige Haushälterin zu enden, weswegen es wichtig sei, den Freund frühzeitig zu „erziehen“. Ich nickte zustimmend und dachte an die bisweilen etwas nervenstrapazierenden Diskussionen mit meinen ehemaligen männlichen Mitbewohnern über die Wichtigkeit einer fairen Arbeitsteilung und insbesondere Einhaltung diverser Haushaltspläne. Das Zusammenleben zwischen Mann und Frau wird hier letztlich ähnlich überdacht und diskutiert wie in Deutschland auch (ein Artikel hierzu: http://taiwanheute.nat.gov.tw/ct.asp?xItem=44108&CtNode=1663&mp=22). Dennoch fällt oft schon an der tendenziell niedlichen Sprechweise sowie dem sehr weiblichen Kleidungsstil vieler Taiwanerinnen auf, dass sie nicht die Töchter von Müttern sind, die einst heftig diskutierend ihre BHs verbrannt haben. Aber vielleicht muss das auch gar nicht sein. Vielleicht kann man diese Themen ja auch einfach mal ganz in Ruhe mit einem Lächeln auf den Lippen besprechen und auf die ausgleichende Macht des Yin und Yang hoffen. Oder endlich anfangen, kochen zu lernen? Nee, erstmal anständig fertig studieren!

Samstag, 29. Mai 2010

Manche nennen es Musik, doch für die meisten ist Krach … Pekingoper!

Yinghui und ich in voller Montur



Suchbild: Wo ist Moni?



Die Jüngsten der Jüngsten im Publikum (Ahao, Marius, Sara)



Schminken für den Auftritt



Weitere Bilder auch auf:

http://picasaweb.google.com/NTUTradOpera/JEluwD#

謝謝盈蕙,阿浩跟Tobi!

Heidi, steh mir bei! – betete ich und trippelte mit schmerzenden Füßchen und klimpernden Kopfschmuck auf die Bühne. Grell strahlte das Scheinwerferlicht vor mir, ich hörte die Rufe des Publikums – die Show konnte beginnen!
Die Studentenclubs an der National Taiwan University sind eine gute Möglichkeit, taiwanische Studenten kennen zu lernen, hatte mir eine ehemalige Austauschstudentin aus Heidelberg erzählt. Und so schlenderte ich September vergangenen Jahres über die Studentenclubmesse von Stand zu Stand und staunte über die Vielfalt: vom Kuchenback-, über Karate-, Kalligraphie-, Hip Hop-Tanz bis hin zum „Verwirkliche deine Träume!“-Club (was auch immer dieses Grüppchen so treibt…) war das Angebot und vor allem der Enthusiasmus der Studierenden beeindruckend und so rettete ich mich von dem Club der etwas zu gruselig freundlich strahlenden Christen zum Pekingoperstand. Nach Ballet, Jazztanz, Hula und Hip Hoptanz sowie absurden Theaterausflügen in der Schule, erschien mir Pekingoper als reizvolle neue Herausforderung. Nach dem ersten Treffen war mir klar, dass ich allein schon aufgrund der herzlichen Freundlichkeit der Gruppenmitglieder weitermachen würde. Und so dackelte ich brav jeden Mittwochabend zu unseren Treffen. Anfangs verstand ich nur einen Bruchteil von dem, was mir erzählt wurde und erst recht nix von dem, was ich da jede Woche vor mich hinträllerte, aber das mache nichts, ermunterten mich meine Mitstreiter, eigentlich verstünde kaum jemand etwas von dem, was da immer gesungen werde. Gerade für westliche Ohren ist die Ästhetik des Gesangs häufig etwas eigenwillig. Für den Banausen mag es wie Schreien eines gerade geschlachteten Schweins mit ordentlichem Krach im Hintergrund klingen. Auch bei mir dauerte es seine Zeit und einige Pekingoperbesuche, bis ich insbesondere die akustische Schönheit des Dargebotenen angemessen genießen konnte. De facto war ich bei einer fünfstündigen Aufführung (so lange kann das manchmal dauern…) schließlich sogar die einzige aus meiner Gruppe, die nicht einschlief, sondern bis zum Ende lauschte und gebannt auf die Bühne schaute. Die Musik, die Akrobatik, die Kostüme, die Präzision der minimalistischen Bewegungen, die es schaffen, ungemein große Emotionen zu transportieren, faszinierten mich. Was auf der Bühne federleicht aussieht, ist von der Körperbeherrschung und Konzentration mindestens so anstrengend wie Ballet. Stundenlang trippelte ich so im Kreis, um „weibliches Laufen“ zu üben, mit mäßigem Erfolg. Nichtsdestotrotz reichten meine Fertigkeiten für eine Statistenrolle, bei der ich einen Soldaten spielte, der zweimal im Chor „Aaaaah!“ rufen musste. Meine Präsenz lockte auch meine taiwanischen und deutschen Freunde ins Publikum, die den Altersschnitt um ein Vielfaches senkten. Denn Pekingoper ist bei unter 70-jährigen eigentlich nicht so angesagt. Jedes Mal, wenn ich taiwanischen Bekannten erzähle, dass ich mich dafür interessiere, ernte ich ein belustigtes bis irritiertes, aber dennoch interessiertes Lächeln. Ungefähr so, wie wenn ein Chinese einem Deutschen strahlend erzählt, er treffe sich jedes Wochenende mit seinen bayrischen Freunden im Lederhöschen zum Jodeln. Eigentlich genügte mir diese einmalige Bühnenerfahrung, aber wieder war es das motivierend, liebevolle Drängen meiner Clubmitstreiter, die mich zu einem weiteren Auftritt überredeten. Diesmal mit Text und komplexeren Bewegungsabläufen. Ich sollte die Dienerin des Dieners spielen und mit unendlicher Geduld wurde mir mein Text immer wieder vorgesungen, die Bewegungen fürsorglichst eingeübt. Irgendwann hatte ich dann kapiert, wo sich diese imaginäre Tür befindet (in der Pekingoper sind Kulisse und Utensilien, falls überhaupt vorhanden, auf ein absolutes Minimum reduziert. Der Schauspieler und seine Darstellung stehen damit im Mittelpunkt der Betrachtung, er muss also das meiste selbst durch Bewegung, Mimik und Gestik darstellen. Um dem Zuschauer zu vermitteln, wo sich die Tür befindet, musste ich also im richtigen Moment an der richtigen Stelle auf der Bühne leicht den Fuß heben) und was ich mit dieser (real existierenden) Lampe zu tun habe. Meinem großen Auftritt sollte also nichts mehr im Wege stehen, dachte ich und verstauchte mir am Tag davor schmerzhaft den linken Fuß. Aber wenn Deutschlands größter Exportschlager Heidi Klum die Victoria Secret mit 40 Grad Fieber und blutendem Loch im Kopf laufen würde, sollte auch ich diesen Pekingoperauftritt mit Würde und Professionalität überstehen. Hauptsache irgendwie gut aussehen! Unterschätzt hatte ich allerdings das Gewicht meines pompösen Kopfschmuckes und im Eifer des Gefechts tauchte die verdammte Lampe nicht auf, die mir Orientierung bei meiner Darstellung geben sollte. Stark eingeschränkt in meiner Bewegungsfähigkeit sowie quasi nackig, weil ohne Lampe, hatte mich meine Lehrerin auf die Bühne gestumpt und so stand ich dann da und lächelte und quiekte meinen Text dahin. Aus der Tatsache, dass mich unsere doch sehr strenge Lehrerin anschließend nicht um einen Kopf kürzer machte, schloss ich, dass es schon alles irgendwie gepasst hat und halte es sonst wie bei Germany`s next topmodel: wenn am Ende die Fotos gut aussehen, war die Mühe nicht umsonst ;)

Mittwoch, 19. Mai 2010

Warten auf Megumis Antwort – japanische Eindrücke aus dem Chinesischunterricht

Zwei Welten treffen aufeinander - Megumi und Moni



Chinesisch für die Lachmuskeln



Yutaro und Megumi



Schüchtern schlägt sie die großen, braunen Augen nieder. Reißt sie wieder auf, sagt ganz leise und zart „ähhhh“, „ooooooh“ und „eiiiiiiii“. Lacht und hält sich dabei kokett die Hand vor den Mund. Und schweigt. Wir warten. Und warten. Gespannt. Nach einer Minute haucht sie die Antwort dahin, engelhaft und mit einer Anmut, die mich immer wieder fasziniert in ihren Bann zieht. Sie flüstert: „Bananenmilch“ und lächelt dabei so beschämt, als hätte sie etwas Unanständiges gesagt. Megumi ist meine japanische Mitschülerin. Unsere Chinesischlehrerin hatte sie gefragt, was sie denn in Taiwan am liebsten esse oder trinke. Im Schnitt warten wir immer ein bis zwei Minuten auf Megumis Antwort. Unsere Lehrerin hat sich mittlerweile daran gewöhnt und nimmt in der Zwischenzeit andere dran, bis sich Megumi bereit fühlt zu antworten, falls sie das überhaupt tut. Manchmal lächelt sie einfach nur und lächelt und lächelt und schweigt. Überhaupt hat meine Chinesischklasse eine ganz eigene Dynamik: drei Deutsche, ein Franzose, ein Spanier, ein Schwede, zwei Japaner sowie Megumi und ich. Bei so vielen Jungs landen wir, trotz der verzweifelten Ausrufe der Lehrerin („Ihr seid zu pervers!“), immer wieder beim gleichen Thema. Ich finde das bisweilen auch recht anstrengend, aber immerhin kenne ich mich jetzt aus mit der japanischen Sexindustrie (von gebrauchten Unterhosenverkauf im Internet bis Hintergrabschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, was wohl gerade sehr in Mode ist) sowie Aufklärungsmethoden („Pornos!“) und lache eigentlich jeden Tag Tränen, wenn die Jungs loslegen. Vor allem der Franzose und die Japaner sind eine brisante Mischung… Letztlich besprachen wir „Gleichberechtigung von Männern und Frauen“ im Unterricht, wobei auch Japan thematisiert wurde. Tendenziell sind in Taiwan japanische Männer als schlagende Chauvinisten verschrien, was sie denn dazu meinen würden, fragte die Lehrerin unsere beiden Japaner. Ja, sie fänden das ja auch nicht gut wie sich ihre Großväter von ihrer Großmüttern bedienen lassen würden, aber die Anforderungen im Arbeitsalltag seien eben ziemlich hoch, so hätte sich das mit der Rollenverteilung entwickelt. Sie möchten später aber eher eine Karrierefrau als Ehefrau, meinten Yuichi und Yutaro. Yuichi ist permanent damit beschäftigt, unsere immer schlagfertigere Lehrerin anzuflirten und auch mit mir war er bereits essen und Obsteinkaufen, wo er mich der Verkäuferin gleich mal dreisterweise als seine Freundin vorgestellt hat. Yuichi hat jede Menge Freundinnen, für jeden Wochentag eine andere, verkündete er letztlich im Unterricht. Von wegen schüchtern und zurückhaltend! Ob er denn Frauen wie Megumi im Umgang nicht etwas anstrengend fände, gerade was das Warten auf Antworten anbelange, fragte ich ihn. Nein, das sei kein Problem, solange eine Frau hübsch sei, meinte Yuichi. Und schön ist Megumi auf jeden Fall. Immer wieder bin ich überwältigt von ihrer Feinheit, ihrer Grazie, ihrer Eleganz. Sie ist das komplette Gegenkonzept zu mir: während ich immer munter drauf losplappere, verfällt Megumi in ihr geheimnisvoll, andächtiges Schweigen, bevor sie Fragen wie „Was hast du gestern gemacht?“ erwidert (meistens geschlafen oder Zimmer geputzt). Bei ihr zu Hause sei es nicht üblich, eine eigene Meinung zu haben, beim Essen schweigt die ganze Familie und in der Schule höre man dem Lehrer zu, erzählte sie. Früher hätte ich mich wahrscheinlich über so etwas sehr aufgeregt und hätte es sehr schlimm gefunden, aber hier finde ich solche Aussagen einfach nur hoch interessant und horizonterweiternd. Denn trotz unserer unterschiedlichen Erziehungen und kultureller Hintergründe, haben Megumi und ich auch Gemeinsamkeiten entdeckt. Zum Beispiel mögen wir beide rosafarbene Sachen und Hello Kitty. Ich arbeite weiter daran, sie näher kennenzulernen, aber in der Regel enden unsere Unterhaltungen damit, dass wir uns beide nur bezaubert voneinander anschauen und lächeln, obwohl wir eigentlich beide neugierig sind auf die Welt der jeweils anderen.

Sonntag, 16. Mai 2010

„Schon gegessen?“ oder „Hast du abgenommen?“ – Begrüßungsformen der anderen Art

Moni und ihr Mohn-Mochi



Freundschaft geht durch den Magen - Lesley beim Essen



Taiwanische Mohnschnecke


Eine Welt ohne stinkenden Tofu wäre keine gute Welt



Ein besonderer Moment in ihrem Leben: Hanna isst zum ersten Mal stinkenden Tofu



Den kleinen, dicken Panda bitte nicht füttern!



„Ni hao!“ (你好! Guten Tag) gehört zu den wenigen Brocken Chinesisch, die eigentlich fast jeder Ausländer kennt. Und die auch nur Ausländer sagen bzw. zu Ausländern gesagt werden, denn auf Taiwan begrüßt man sich nicht mit „Guten Tag, wie geht`s?“, sondern Sätzen wie „Hast du schon gegessen?“, wenn man ohnehin schon zum Essen verabredet ist mit „Nudeln oder Reis?“ oder „Was möchtest du essen?“ oder eben „Hast du abgenommen?“. In diesen Begrüßungsformeln spiegelt sich ein Paradoxon der taiwanischen Gesellschaft wider, das mich vor allem die ersten Monate hier beschäftigte.
Essen ist unglaublich wichtig. Es ist nicht nur Smalltalkthema Nummer 1. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich schon von meinem Lieblingsessen erzählen durfte (Stinkender Tofu und alles, was mit Mohn zu tun hat) und wie viele Male ich erklärt habe, dass wir in Deutschland NICHT jeden Tag Würstchen und Schweinshaxe essen, ich tatsächlich noch nie in meinem ganzen Leben Schweinshaxe gegessen habe und ja, dass deutsche Würstchen salziger schmecken als die taiwanischen, die eher süß sind. Gemeinsam Essengehen ist auch einer der sozialen Grundpfeiler, auf denen man Beziehungen aufbaut und pflegt. Meine erste taiwanische Freundin Lesley habe ich dadurch kennengelernt, dass wir uns jeden Tag getroffen haben und sie mich durch sämtliche taiwanische Spezialitäten gefüttert hat, während wir uns über Gott und die Welt unterhalten haben. Essen ist hier allgegenwärtig: an jeder Straßenecke gibt es 小吃 (xiao chi), kleine Essensstände, im Radio und im Fernsehen wird das Thema rauf und runter diskutiert, ja sogar in den Nachrichten werden Restaurants vorgestellt. Alles asiatische Essen schmeckt ohnehin göttlich gut, aber auch westlich kann man hier sehr gut essen gehen. Auf den Nachtmärkten geht es ebenfalls um kaum etwas anderes, täglich bekommt man kleine Essensgeschenke und schaufelt beim gemeinsamen Essen dem Essenspartner liebevoll das Schälchen voll. Der Satz in Deutschland esse man, um zu arbeiten, in China und auf Taiwan hingegen arbeitet man, um zu essen, fasst die hiesige Leidenschaft zur Nahrungsaufnahme am besten zusammen. Doch so gerne man hier isst, desto weniger sollte man es tun, denn: ebenso wichtig wie Essen ist auch Abnehmen beziehungsweise dünn sein. Körperstaturen, die in Deutschland mit Besorgnis beäugt und „magersüchtig“ kommentiert werden, bekommen hier ein anerkennendes „Wow, bist du schön dünn!“. Gehe ich mit westlichen Jungs essen, werde ich immer wieder nachdrücklich zum Essen aufgefordert, kritisch bis genervt beäugt, wenn ich sage, ich sei auf Diät und bekomme dann enthusiastisch erklärt, wie wichtig weibliche Rundungen seien. Der aufmerksame taiwanische Mann, der es durchaus gut meint, wird möglicherweise bei der gemeinsamen Verabredung freundlich betonen, dass ich wirklich nicht essen müsse, wenn ich nicht möchte und bietet mir Kräcker mit dem Kommentar an „Davon kannst du ruhig essen, davon wirst du nicht dick“. Hätte er mich nicht darauf hingewiesen, wäre ich so schnell gar nicht darauf gekommen, dass ich bei jedem Bissen zunehme. Sage ich, dass ich auf Diät bin, lächelt er verständnisvoll. Und fragt unter Umständen nach meinem Gewicht und Diätplan. Warum tut er das? Weil er weiß, dass auf Taiwan irgendwie alle auf Diät sind, vor allem die Frauen. Nicht nur die Werbung sorgt dafür, sondern Eltern haben einen mahnenden Blick auf das Gewicht ihrer Kinder, Freundinnen untereinander ohnehin („Hast du abgenommen oder versteckst du nur dein Fett?“) und der Freund möchte natürlich auch nicht, dass seine Freundin ein kleines Dickerchen ist. Auch ich werde immer mal wieder mit „Hast du abgenommen?“ begrüßt (eine durchaus gängige Begrüßungsformel hier) und habe nicht nur eine Frau erlebt, die ihr Abendessen in zwei Richtungen genießt. Denn oft geht es nicht um ein sportliches Schlanksein (Muskeln gelten tendenziell als unweiblich), sondern tatsächlich um einen Haut- und Knochenstyle. Warum nehmen so viele Frauen auf Taiwan ab? fragte ich meine Tandempartnerin Wanzi. Weil sie auf der Suche nach einem Freund sind, meinte diese, ohne mit der Wimper zu zucken. Aha, und die stehen da also drauf? Ja, natürlich müsse die Freundin dünn sein, lautet die Antwort vieler Herren hier und nur manche geben mit verschämtem Blick zu, dass sie ja eigentlich Frauen mit ein bisschen Fleisch auf den Knochen mögen. Oder merken seufzend an, dass die Frauen fälschlicherweise annehmen, sie stünden nur auf dünne Frauen und erwecken dabei den Eindruck, dass sie bereits aufgegeben haben darüber zu diskutieren, weil ihnen ohnehin keiner zuzuhören scheint. Doch auch bei den Jungs ist muskulös sportlich nicht unbedingt angesagt, ein gemütlicher, kleiner Bierbauch ohnehin nicht. Sie möge auch eher dünne Männer, meinte Wanzi und sprach damit laut Hörensagen so einigen Taiwanerinnen aus dem Herzen. Warum das so ist, bietet sicher viel Stoff für psychologisch, sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten. In Japan und Korea lassen sich wohl ähnliche Tendenzen beobachten, auf dem Festland habe ich eher drallere Frauenfiguren gesehen.
Die ersten Monate hat mir dieses Thema bisweilen meinen sonst sehr begeisterten Eindruck von Taiwan und seinen Menschen etwas betrübt. Auf der einen Seite überall das beste Essen überhaupt, die netten Essenseinladungen sowie das liebevolle Füttern unter Freunden. Auf der anderen Seite jeden Tag Aufzug fahren mit super schlanken Taiwanerinnen, die sich darüber unterhalten, wie fett sie doch seien und kritisch ihre imaginären Fettpölsterchen im Spiegel begutachten, Sprüche über Dick- und Dünnsein beim Smalltalk, ein zu ehrgeiziger Diätplan eines taiwanischen Bekannten... Doch mittlerweile sehe ich die Angelegenheit mit Humor, freue mich über dralle Taiwanerinnen, die frechen Typen, die sie „Dickerchen“ nennen, einfach den Mittelfinger zeigen und stelle immer wieder fest, dass auch hier, wie eigentlich überall auf der Welt, die Anzahl der Kilos auf den Rippen nur einer von ganz vielen Aspekten ist, nach welchen man einen Menschen beurteilt und vor allem gern hat und tatsächlich wirklich nicht unbedingt einer der wichtigsten. Und genieße weiterhin jeden Bissen von der traumhaft leckeren taiwanischen Küche!

Donnerstag, 29. April 2010

„Willst du meine Freundin werden?“ oder Leben und Lieben auf Taiwan (1)





Da stand er vor mir in der Badezimmertür, nass durchschwitzt und außer Atem: der Freund meiner Mitbewohnerin, mit der ich mir hier ein Zimmer teile. „Was tust du da?“, fragte ich und blickte irritiert auf den Lappen und das Putzmittel in seiner Hand. Er hatte offensichtlich unser Bad geputzt. Überrascht bedankte ich mich bei ihm und erkundigte mich später begeistert bei meiner Mitbewohnerin, wie ich ihm denn eine kleine Freude bereiten könne. Bier, Süßigkeiten…? Das sei nicht nötig, er trinke kein Bier, esse keine Süßigkeiten und mache sehr gerne Hausarbeit. Ich traute meine Ohren und Augen nicht, aber die nächsten Wochen stellte der gute Junge seine Putzleidenschaft immer wieder unter Beweis, indem er im Zimmerbereich meiner Mitbewohnerin auf dem Boden herumkroch und schrubbte, während diese entspannt im Bett ein Buch las. Mein Interesse an taiwanischen Pärchenverhalten war entfacht. Mit Befremden hatte ich beim Schlendern durch die Straßen festgestellt, wie auffällig viele Männer hier Frauenhandtaschen um die Schultern tragen. Es dauerte einige Zeit bis ich herausgefunden hatte, dass es sich dabei nicht um eine bedenklich seltsame Modeerscheinung handelt, sondern dass meist die Freundin stolz erhobenen Hauptes dem jungen Herren voranschritt. „Ich rufe mal meinen Sklaven an und sage ihm, er soll mir Tee mitbringen“, meinte eine taiwanische Freundin von mir grinsend über ihren Freund und als ich meinen Tandempartner Peter auf dieses Thema ansprach, bestätigte er meinen Verdacht: „Ja, Moni, wir taiwanischen Männer sind die Sklaven unserer Frauen“. Und taiwanische Frauen seien anspruchsvoll, erklärte er seine leicht pathetische Aussage: nicht nur gut aussehen müsse der Freund, akademischer Grad und finanzieller Hintergrund sowie Besitz eines Autos seien ebenfalls von tragender Bedeutung bei der Partnerwahl. Ist es dann mal soweit, wird eine Rundumbetreuung gefordert: morgendliche Anrufe, damit das Aufstehen nicht vergessen wird (ich hatte mich anfangs noch gewundert, wer meine Mitbewohnerin morgens um acht Uhr fünfmal hintereinander anruft), Begleitung zum Essen, das selbstverständlich der Mann zahlt, Handtaschentragen, Kinobesuche, Hinbringen und Abholen mit dem Auto etc. Händchenhalten sei nur in Ausnahmefällen drin, allgemein seien taiwanische Frauen eher distanziert. Welchen Nutzen denn dann der Mann von einer solchen Beziehung habe, wollte ich von Peter wissen. „Es verleiht uns ein Gefühl von Männlichkeit, eine Frau umsorgen zu dürfen!“ meinte dieser und als ich ihn nur leicht belustigt und ungläubig anschaute fügte er hinzu: „Weißt du, Moni, 3000 Jahre in der chinesischen Geschichte hat die Frau alles für den Mann getan. Vielleicht ist es nun einfach an der Zeit, dass wir etwas für die Frauen tun.“ Mein feministisches Herz schmolz dahin, vor meinem geistigen Auge sah ich Alice Schwarzer in gerührte Freudentränen ausbrechen, mein Interesse an taiwanischen Männern wuchs. So sagte ich spontan zu, als mich meine taiwanische Freundin Lesley fragte, ob ich denn nicht mit auf ein Jazzfestival nach Taizhong kommen wolle. Einer aus der Jazzgruppe der Uni hatte sie gefragt und sie wäre sonst die einzige Frau mit acht Jungs auf einem Zimmer. Im etwas konservativen Taiwan, wo man bis zum Abitur getrennte Mädchen- und Jungenschulen besucht, eine doch etwas anrüchige Situation. So schauten mich dann acht neugierige Anfang 20-Jährige bei der allgemeinen Vorstellungsrunde im McDonalds an, als mich der Leiter der Jazzgruppe locker lässig vor versammelter Runde gefragt hatte, ob ich denn einen Freund habe. Da ich Taiwaner bis dahin immer als allgemein sehr höflich und indirekt erlebt hatte, hielt ich eine derartig intime Frage in einem solch öffentlichen Umfeld für einen Scherz und setzte mich wieder. Doch das erwartungsvolle Schweigen signalisierte mir, dass die Frage ernst gemeint war und so verneinte ich leicht errötend. Keinen Freund hier auf Taiwan oder keinen in Deutschland? Ähm, allgemein keinen, antwortete ich verwirrt. Ob ich ihnen denn Deutsch beibringen könne. Natürlich war ich dazu gerne bereit. Was denn „Willst du mein Freundin werden?“ auf Deutsch heiße. Noch verwirrter wies ich sie darauf hin, dass ich ihnen das gerne beibringen könnte, sie mit dieser Frage aber höchstwahrscheinlich nur in der Grundschule Erfolg hätten. Etwas enttäuscht begnügten sie sich dann damit, den Satz „Ich mag dich“ zu büffeln. Lesley erklärte mir anschließend, dass das Fragen selbstverständlich sei. Man habe eine „aimei"-Phase (曖昧)von etwa zwei bis acht Wochen, in der man gegenseitiges Interesse bekundet bzw. der Mann die Frau umwirbt (zhui追) bis er Zeit und Ort als geeignet betrachtet, um seine Verehrte zu fragen, ob sie bereit sei, seine Freundin zu werden. Danach käme es dann möglicherweise zum ersten Körperkontakt in Form von Händchenhalten oder Küssen. Aha. Nicht so wie im Westen, wo man gleich am ersten Abend Sex habe, meinte Lesley. Nicht unbedingt! protestierte ich und wurde damit für ohnehin schon halb taiwanisch erklärt. „Sex and the City“ hat hier in mancher Hinsicht ganze Arbeit geleistet…
Jedenfalls war der Ausflug durchaus erfolgreich, denn Lesley hat jetzt einen Freund, der sie sehr glücklich macht. Sind meine Freundinnen glücklich, bin ich es auch :) Meine Neugierde war damit aber noch nicht gestillt und so beobachtete ich fleißig weiter…

Freitag, 23. April 2010

Das Wandern ist des Moni Müller-Karpes Lust

Es ist NICHT die Schweiz. Aber mindestens genauso schön!



Wolkenmeer bei Sonnenaufgang



Auf dem Gipfel des Hehuanshan angekommen





Taroko-Schlucht



Das Meer




„Armer Papa!“ dachte ich, als ich mit dröhnendem Kopf und rasendem Herzen auf dem 3422 Meter hohen Gipfel des Hehuanshan ankam. So musste er sich also gefühlt haben, als er in Lhasa den Potala erklommen hatte. Mit meinen gefrorenen Fingern versuchte ich etwas Nüsse aus der Tüte zu frimeln, um mich für das Lächeln auf dem anstehenden Gruppenfoto zu stärken.
Neugierde, Spontanität und etwas blauäugige Abenteuerlust hatten mich dazu verleitet, mit einer Gruppe taiwanesischer Physikstudenten sowie dem wanderlustigen Tobi und Kati (die beide auch Sinologie studieren und mit denen ich zusammen den Sprachkurs an der Uni besuche) eine Wandertour ins Zentralgebirge Taiwans zu machen. Trotz fürsorglicher Vorbereitung unserer taiwanischen Freunde war uns nicht ganz klar, worauf wir uns da einließen, als wir für drei Tage Bergsteigen zusagten. Bereits bei unserer Hinfahrt blickte ich in einen Abgrund nach dem nächsten und mir wurde unmittelbar klar, dass dies genau der richtige Zeitpunkt sein würde um festzustellen, dass ich keine Höhenangst mehr habe. Glücklich über diese Erkenntnis versuchte ich (erfolgreich) mein Mittagessen in mir zu behalten als wir durch die scharfen Kurven der Serpentinen gurkten. Fröhlich singend kamen wir schließlich auf ca. 3000 Meter Höhe an, um den ersten Gipfel zu besteigen. Schon beim Aussteigen überkam mich dieses seltsame Gefühl einer lustigen Leichtigkeit, die ich schon mal gespürt hatte, als ich mich damals auf den Gipfel den Emeishans in Westchina hatte hochfahren (!) lassen. Nun lag ein dreistündiger Fußmarsch vor uns und ich merkte bei jedem Schritt aufwärts, wie mir die Höhe zu schaffen machte. Doch die Aussicht und das gute Wetter entschädigte für alles: klare Sicht auf eine malerisch schöne Landschaft! Glücklich und stolz, den ersten Tag überstanden zu haben, bauten wir bei eisiger Kälte unser Nachlager auf einem Parkplatz auf. Während ich mit kurzfristiger Übelkeit kämpfte und sich einer unserer Mitstreiter hinterm Zelt übergab, bewunderte ich unsere Anführerin Xiaolu: sie hatte nicht nur uns verplante Ausländer und die lustigen Jungs im Griff, sie entpuppte sich auch als eine fantastische Köchin. Aber gutes Essen ist hier auf Taiwan ist nun einmal wichtig und deswegen wird gekocht, egal ob einem die Nase dabei gefriert oder es in Strömen schüttet. Letzteres trat erst am nächsten Abend ein und so genossen wir mit vollem Magen den atemberaubend schönsten Sternenhimmel, den wir je in unserem Leben gesehen hatten. Nach einer geruhsamen Nacht ging es am nächsten Morgen um 3 Uhr weiter auf einen Gipfel, um von dort aus den Sonnenaufgang zu erleben. Japsend mit meinem Backpack auf dem Rücken fragte ich mich zum wiederholten Mal, wem ich mit dieser Wandertortur eigentlich etwas beweisen wollte. Und wieder entlohnte die Aussicht für den Schweiß, der mir den Nacken hinunter rann und das Zittern meiner Muskeln. Die Sonne ging auf und strahlte orangefarben auf ein Meer von Wolken. Ein Bild und ein Moment, der eigentlich viel zu schön war, um wahr zu sein. Ich genoss den Ausblick und atmete tief ein und aus, etwas, für das ich beim Hochkraxeln nur bedingt Zeit fand. Schnell ging es auch schon weiter auf den Gipfel. Wieder Augenblicke des Verzweifelns, wieder das Gefühl von Stolz und Erfüllung, als wir schließlich oben ankamen. Doch Katis und mein Ehrgeiz waren an diesem Punkt erschöpft. Wir entschieden uns, nicht mit unserer Gruppe weiterzuwandern, sondern zu unserem Fahrer zurück zu laufen. Alleine waren wir auf unserem Rückweg trotzdem nicht. Typisch für viele Taiwaner ist ihr allgemein außergewöhnlich freundliches, höfliches Interesse an Ausländern und so kraxelten wir fröhlich smalltalkend über Gott und die Welt mit einem Herren mittleren Alters den Berg wieder hinunter und grüßten dabei alles und jeden, der uns begegnete. Unten angekommen wurden wir von unserem Fahrer bekocht und genossen den Rest des Tages liegend in der Sonne. Abends trafen wir unsere Mitstreiter wieder; weil es regnete bauten wir unsere Zelte in einer Tankstelle auf. Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus durch die Tarokoschlucht, eine der Attraktionen Taiwans. Sie entstand durch einen Fluß, der sich durch das mehrere hundert Meter hohe, bewaldete Gebirge schlängelt, in das eine Straße geschlagen wurde. Das Abenteuerpotential dieses Ausfluges deutete sich immer wieder durch Baustellen an, welche permanent die Schäden von Taifun und Erdbeben beseitigen. Trotzdem natürlich wieder alles atemberaubend schön!
Bei Dunkelheit kamen wir abends wieder in Taipeh an. Das Flimmern der Leuchtreklame blendete meine Augen, der zarte Duft der Autoabgase wehte mir um die Nase und so schön es auch gewesen war in der Wildnis, ich sah mich in meinem Leben als Stadtmensch vollkommen bestätigt ;)