Sonntag, 18. Juli 2010

Kleine Abenteuer auf der eigentlich sichersten Insel der Welt

Sonnenaufgang auf dem Alishan



Geduldige Wandergenossen mit Moni Möchtegern-Messner



Ausblick vom Yushan - auch auf nur 3400 Meter Höhe wunderschön



"Aufgepasst, gleich kommt die Sonne!"



Wasserfall bei Hualien



Landschaft um Hualien



Schnorchelparadies grüne Insel



Wanzi mit Seegraseis



Auch im Gefängnis auf der grünen Insel ist man herzlich willkommen (die roten Schriftzeichen stehen für 歡迎光臨 huanyingguanglin Herzlich Willkommen! Einen Spruch, den man bei jedem Betreten eines Geschäftes oder Supermarktes hört)



Reisekumpanen mit unserem Abendessen! Lecker Bambi, hehehe :)



Es ist nicht Sylt... Aber wer will schon nach Sylt, wenn er auf Taiwan ist?! ;)



Da raste ich den Berg hinunter. Und schneller und schneller und schneller und stellte plötzlich fest: Mist, die Bremsen von meinem Fahrrad funktionieren nicht!
Der Chinesischunterricht ist vorbei und so genieße ich die letzten Wochen hier auf Taiwan, neben Zulassungsarbeitschreiben, hauptsächlich mit Reisen, Freunde treffen und besuchen. Unter anderem verschlug es mich dabei zusammen mit Wanzi, einer taiwanischen Freundin, sowie Yuichi und Yutaro, meinen zwei japanischen Mitschülern, zunächst nach Hualien und dann auf die kleine grüne Insel im Süden Taiwans. Der normale grüne Insel-Besucher fährt Roller (egal ob mit oder ohne Führerschein), aber da wir uns das nicht zutrauten, entschieden wir uns für die Fitnessvariante Fahrrad. „Fahrradfahren ist hier gleich Selbstmord“, bemerkte Yutaro in Hinblick auf die Tatsache, dass die grüne Insel ehemals auch Feuer-Insel (火燒島) hieß, nicht zuletzt auch wegen dem feurig heißen Wetter. Und so brutzelten und bretterten wir als einzige Fahrradfahrer die Serpentinen entlang, während die Rollerfahrer lässig und entspannt an uns vorbeizogen, ich mein Schuhwerk als Bremsersatz bemühte und erfreuten uns an allem, was uns so begegnete. Unter anderem einige Rehe, die neben Seegras als Spezialität gelten auf der grünen Insel. Das ist überhaupt etwas sehr bemerkenswertes hier auf Taiwan: jede Gegend oder jedes noch so kleine Dorf hat seine ganz eigene, spezielle Essensspezialität, die immer mit viel Aufwand angepriesen wird. Neben Klebereiskuchen (Mochi), Rehen, Seegras, gibt es sogar ein Dorf, das sich vollkommen der Vermarktung von Erdbeeren verschrieben hat: Erdbeereis, -schnaps, -shampoo, -bodylotion, -brot etc. Während die lustigen Japaner also damit beschäftigt waren, sich mit sämtlichen Inselbewohnern per ausgedehnten Smalltalks bekannt zu machen, probierten Wanzi und ich uns durch das kulinarische Seegrassortiment (Seegraspfannkuchen, Seegraseis, Seegrasdumplings…). Abends brutzelten dann beim BBQ die süßen Rehe, die wir vormittags noch gestreichelt hatten, vor uns auf dem Grill. Beim Schnorcheln bewunderten wir Taiwans regenbogenfarbene Unterwasserwelt und genossen entspannt in den heißen Quellen sitzend den malerischen Sonnenaufgang. Es sind Momente wie diese, die mir Taiwan immer wieder wie ein kleines Paradies erscheinen lassen. Das Meer ist nie weit, aber auch als Bergsteiger kommt man hier voll auf seine Kosten. Obgleich mir bereits mein erster Ausflug in die Berge die körperlichen Grenzen meines neuen Hobbies aufgezeigt hatte, reizte mich die Herausforderung, den höchsten Berg Ostasiens zu besteigen. Der Jadeberg (Yushan) rief – und Moni Möchtegern-Messner kam :) Zusammen mit Peter, meinem Tandempartner, und vier Bonner Sinologen ging es zunächst auf den etwas tiefer gelegenen Alishan. Der dortige Sonnenuntergang war postkartenmäßig farbenprächtig und auch der Sonnenaufgang hätte sehr schön werden können, hätte nicht ein lustiges Männlein mit Megaphon und Ausrufen wie „Aufgepasst, gleich kommt die Sonne raus!“ die romantische Stimmung gestört. Am gleichen Tag ging es dann auf den Yushan, wo wir auf ca. 3400 Meter Höhe die Nacht auf einer Pritsche in einem Raum mit 48 anderen Wandern verbrachten. Olfaktorisch sowie akustisch nicht unbedingt einer meiner erholsamsten Nächte, zudem machte mir die Höhe zu schaffen und so lag ich um zwei Uhr morgens erbrechend und mit Kopfschmerzen danieder, als alle anderen aufbrachen, um Richtung Gipfel der Sonne entgegenzuwandern. Unfähig mich zu rühren, hatte ich nun viel Zeit mir zu überlegen, wie ich es auf der eigentlich wirklich sichersten Insel der Welt, auf der man sich tendenziell immer sehr aufmerksam umsorgt und gegenseitig bekümmert (zhaogu 照顧) und jedes Handeln von einem liebevollen „Pass auf dich auf!“ (xiao xin o小心喔!) begleitet wird, immer wieder schaffte, mich in Gefahr zu bringen, denn Höhenkrankheit ist keine lustige Angelegenheit. „Kein Wunder, dass es dir schlecht geht, du trägst ja auch keine Mütze!“, meinte einer der Ureinwohner zu mir, der auf der Lodge arbeitete. Zu kraftlos um nach dem genauen Kausalzusammenhang zwischen mützenlosem Haupt und Übelkeit zu fragen, zog ich kommentarlos meine Mütze auf – und siehe da, nach drei Stunden Schlaf und Mützentragen sah die Welt schon wieder ganz anders aus! So genoss ich den Ausblick von der Lodge und den anschließenden Abstieg und habe nun einen weiteren Grund, wieder nach Taiwan zurück zu kommen, denn seinen höchsten Berg habe ich noch nicht vollkommen erklommen!

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