Samstag, 29. Mai 2010

Manche nennen es Musik, doch für die meisten ist Krach … Pekingoper!

Yinghui und ich in voller Montur



Suchbild: Wo ist Moni?



Die Jüngsten der Jüngsten im Publikum (Ahao, Marius, Sara)



Schminken für den Auftritt



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謝謝盈蕙,阿浩跟Tobi!

Heidi, steh mir bei! – betete ich und trippelte mit schmerzenden Füßchen und klimpernden Kopfschmuck auf die Bühne. Grell strahlte das Scheinwerferlicht vor mir, ich hörte die Rufe des Publikums – die Show konnte beginnen!
Die Studentenclubs an der National Taiwan University sind eine gute Möglichkeit, taiwanische Studenten kennen zu lernen, hatte mir eine ehemalige Austauschstudentin aus Heidelberg erzählt. Und so schlenderte ich September vergangenen Jahres über die Studentenclubmesse von Stand zu Stand und staunte über die Vielfalt: vom Kuchenback-, über Karate-, Kalligraphie-, Hip Hop-Tanz bis hin zum „Verwirkliche deine Träume!“-Club (was auch immer dieses Grüppchen so treibt…) war das Angebot und vor allem der Enthusiasmus der Studierenden beeindruckend und so rettete ich mich von dem Club der etwas zu gruselig freundlich strahlenden Christen zum Pekingoperstand. Nach Ballet, Jazztanz, Hula und Hip Hoptanz sowie absurden Theaterausflügen in der Schule, erschien mir Pekingoper als reizvolle neue Herausforderung. Nach dem ersten Treffen war mir klar, dass ich allein schon aufgrund der herzlichen Freundlichkeit der Gruppenmitglieder weitermachen würde. Und so dackelte ich brav jeden Mittwochabend zu unseren Treffen. Anfangs verstand ich nur einen Bruchteil von dem, was mir erzählt wurde und erst recht nix von dem, was ich da jede Woche vor mich hinträllerte, aber das mache nichts, ermunterten mich meine Mitstreiter, eigentlich verstünde kaum jemand etwas von dem, was da immer gesungen werde. Gerade für westliche Ohren ist die Ästhetik des Gesangs häufig etwas eigenwillig. Für den Banausen mag es wie Schreien eines gerade geschlachteten Schweins mit ordentlichem Krach im Hintergrund klingen. Auch bei mir dauerte es seine Zeit und einige Pekingoperbesuche, bis ich insbesondere die akustische Schönheit des Dargebotenen angemessen genießen konnte. De facto war ich bei einer fünfstündigen Aufführung (so lange kann das manchmal dauern…) schließlich sogar die einzige aus meiner Gruppe, die nicht einschlief, sondern bis zum Ende lauschte und gebannt auf die Bühne schaute. Die Musik, die Akrobatik, die Kostüme, die Präzision der minimalistischen Bewegungen, die es schaffen, ungemein große Emotionen zu transportieren, faszinierten mich. Was auf der Bühne federleicht aussieht, ist von der Körperbeherrschung und Konzentration mindestens so anstrengend wie Ballet. Stundenlang trippelte ich so im Kreis, um „weibliches Laufen“ zu üben, mit mäßigem Erfolg. Nichtsdestotrotz reichten meine Fertigkeiten für eine Statistenrolle, bei der ich einen Soldaten spielte, der zweimal im Chor „Aaaaah!“ rufen musste. Meine Präsenz lockte auch meine taiwanischen und deutschen Freunde ins Publikum, die den Altersschnitt um ein Vielfaches senkten. Denn Pekingoper ist bei unter 70-jährigen eigentlich nicht so angesagt. Jedes Mal, wenn ich taiwanischen Bekannten erzähle, dass ich mich dafür interessiere, ernte ich ein belustigtes bis irritiertes, aber dennoch interessiertes Lächeln. Ungefähr so, wie wenn ein Chinese einem Deutschen strahlend erzählt, er treffe sich jedes Wochenende mit seinen bayrischen Freunden im Lederhöschen zum Jodeln. Eigentlich genügte mir diese einmalige Bühnenerfahrung, aber wieder war es das motivierend, liebevolle Drängen meiner Clubmitstreiter, die mich zu einem weiteren Auftritt überredeten. Diesmal mit Text und komplexeren Bewegungsabläufen. Ich sollte die Dienerin des Dieners spielen und mit unendlicher Geduld wurde mir mein Text immer wieder vorgesungen, die Bewegungen fürsorglichst eingeübt. Irgendwann hatte ich dann kapiert, wo sich diese imaginäre Tür befindet (in der Pekingoper sind Kulisse und Utensilien, falls überhaupt vorhanden, auf ein absolutes Minimum reduziert. Der Schauspieler und seine Darstellung stehen damit im Mittelpunkt der Betrachtung, er muss also das meiste selbst durch Bewegung, Mimik und Gestik darstellen. Um dem Zuschauer zu vermitteln, wo sich die Tür befindet, musste ich also im richtigen Moment an der richtigen Stelle auf der Bühne leicht den Fuß heben) und was ich mit dieser (real existierenden) Lampe zu tun habe. Meinem großen Auftritt sollte also nichts mehr im Wege stehen, dachte ich und verstauchte mir am Tag davor schmerzhaft den linken Fuß. Aber wenn Deutschlands größter Exportschlager Heidi Klum die Victoria Secret mit 40 Grad Fieber und blutendem Loch im Kopf laufen würde, sollte auch ich diesen Pekingoperauftritt mit Würde und Professionalität überstehen. Hauptsache irgendwie gut aussehen! Unterschätzt hatte ich allerdings das Gewicht meines pompösen Kopfschmuckes und im Eifer des Gefechts tauchte die verdammte Lampe nicht auf, die mir Orientierung bei meiner Darstellung geben sollte. Stark eingeschränkt in meiner Bewegungsfähigkeit sowie quasi nackig, weil ohne Lampe, hatte mich meine Lehrerin auf die Bühne gestumpt und so stand ich dann da und lächelte und quiekte meinen Text dahin. Aus der Tatsache, dass mich unsere doch sehr strenge Lehrerin anschließend nicht um einen Kopf kürzer machte, schloss ich, dass es schon alles irgendwie gepasst hat und halte es sonst wie bei Germany`s next topmodel: wenn am Ende die Fotos gut aussehen, war die Mühe nicht umsonst ;)

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